Beschreibung:
Unser Alltag ist geprägt von einer immer stärkeren Digitalisierung. Das betrifft sowohl Unternehmen und Geschäftsprozesse als auch unser privates Umfeld. Wir nehmen die Vorteile nicht nur dankbar an, sie sichern zum Teil auch unseren Wohlstand ab - vieles wäre sonst gar nicht mehr bezahlbar oder überhaupt möglich. Dadurch entstehen völlig neue Chancen oder Geschäftsmodelle. So ist die Digitalisierung in Entwicklungsländern in Teilen fortgeschrittener und vor allem schneller in der Umsetzung als bei uns - diese Länder sehen und nutzen eine neue Chance auf wirtschaftlichen Erfolg.
Ganz anders sieht es bei den Risiken der Digitalisierung aus. Obwohl wir im privaten als auch im geschäftlichen Umfeld etablierte Prozesse und jede Menge Erfahrung in der Balancierung von Chancen und Risiken haben, so behandeln wir Risiken der Digitalisierung meist komplett anders. In den Industrieländern gibt es zwei verbreitete Verhalten. Die erste Variante ist der übertriebene Optimismus: Die eigene Aktivität wird rein auf die Chancen fokussiert. Häufig verbunden mit der Erwartung, dass sich andere um die Risiken zu kümmern haben. Das kann gutgehen, aber auch katastrophale Folgen durch Datenverlust oder Cyber-Attacken haben. Die zweite Variante ist quasi das Gegenteil: Die Komplexität von Technik und möglichen Risiken führt zu einer Ohnmacht, die eine Digitalisierung verhindert oder unzureichend verlangsamt. Für Unternehmen führt dies zu einem viel schlimmeren Risiko: dem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit und dem wirtschaftlichen Kollaps. Was hat das mit Datenschutz und IT-Sicherheit zu tun? Ganz einfach: Beide Themenbereiche zusammen sind der Werkzeugkasten, um einige Risiken der Digitalisierung zu mitigieren und damit beherrschbar zu machen. In diesem Seminar werden wir deshalb gemeinsam und anhand von realen und praxisorientierten Szenarien erarbeiten, was Datenschutz und IT-Sicherheit sind, welche Bedrohungen und Abwehrmechanismen es gibt, welche Rollen und Personen es wie betrifft und welche Hürden einer erfolgreichen Umsetzung im Wege stehen können. Sie werden erkennen, dass beide Themen kein Mysterium und nicht nur für Rechtsanwälte oder Super-Experten relevant sind, sondern die Basis durch Sie selbst gelegt werden kann und sollte. Und zwar zu 99% unabhängig davon, welchen Beruf Sie in Zukunft ausüben werden. Dabei können Sie zur Unterstützung auf ein breites Spektrum von Experten, Literatur, Tools und fertigen Software-Services zurückgreifen. Das Wissen aus diesem Seminar wird Ihnen helfen, das passende Angebot für Ihre Zwecke zu finden und auszuwählen - beruflich wie auch privat.
Wir werden die Themen in drei ganztägigen und interaktiven Veranstaltungen erarbeiten und die folgenden Schwerpunkte setzen. Dabei gilt: Je mehr Szenarien und Beispiele Sie aus Ihrem Alltag mitbringen und je interaktiver das Seminar abläuft, umso einfacher und nachhaltiger werden Sie die Grundlagen verinnerlichen und später umsetzen können. Bei IT-Sicherheit geht es neben Fachlichkeit vor allem um Verständnis der Situation, um Sie und Ihr Verhalten. Denn IT-Sicherheit hängt zu einem großen Teil von Verhalten ab. Und das ändern wir nicht rein durch zuhören in einem Vortrag, sondern vor allem durch Interaktion und Übung. Ich freue mich auf Sie!
Teil 1 - Einleitung, Begriffsklärung, Bedrohungen, Szenarien, Verantwortlichkeiten
Freitag, 12. Juni 2026, 9:00 bis 17:00
Über einfache Beispiele werden wir in die Thematik einsteigen und mögliche Schäden und Ihre Ursachen besprechen. Gerne verwenden wir dabei auch Szenarien aus Ihrem Alltag. Wir erkennen, dass viele Schäden unbeabsichtigt und nicht nur durch kriminelle Energie entstehen - dass beides gleichberechtigt abgesichert werden muss. Wir besprechen, was Datenschutz regelt, warum er unverzichtbar für den Schutz unserer Persönlichkeit ist, dass es in fast allen Ländern andere Regeln gibt (oder auch keine) und vor allem Software-Entwickler einige Regeln beherrschen müssen, und dass wir alle betroffen sind - abhängig von Funktion oder Rolle im Alltag aber unterschiedliche Aufgaben haben.
In den Grundlagen werfen wir auch einen Blick auf die aktuelle Gesetzeslage. Dabei steht der Überblick im Vordergrund und weniger die einzelne Regelung. Wichtig ist, dass Sie ein Verständnis über vorhandene Gesetze bekommen und bei Bedarf wissen, welche Bereiche Sie in welcher Aufgabe gezielt vertiefen müssen. Ein sehr aktueller Aspekt wird dabei die Nutzung von KI und die Verwendung damit generierter Ergebnisse sein.
Abschließen werden wir diesen Block mit einer Einleitung in Schutzstrategien und Techniken, die wir in Teil 2 und 3 vertiefen.
Teil 2 - Digitale Identität, Rechte & Rollen
Freitag, 19. Juni 2026, 9:00 bis 17:00
Wir alle kommen täglich mit Benutzerkonten und Passwörtern in Berührung. Diese sollen absichern, dass nur wir auf unsere verwalteten Daten zugreifen können oder Aktivitäten in unserem Namen (und Kosten) auslösen können. Bestes Beispiel ist unser Konto in einem online-Shop, bei dem unsere Zahlungsinformationen hinterlegt sind. Diese Konten bezeichnet man als digitale Identität und sie stellen ein (eingeschränktes) digitales Abbild unserer realen Person dar. Im Umgang mit digitalen Identitäten gibt es vor allem zwei Schwerpunkte. Als erstes die Authentifizierung: Der Nachweis und die Prüfung wer ich bin. Danach komm die Autorisierung: Was darf ich tun, d.h. welche Rechte habe ich? Zur Bündelung von Rechten gibt es dabei den Begriff der Rollen in einem System.
Nach einer einleitenden Begriffsklärung werden wir verschiedene aktuelle Technologien und Standards im Umgang mit digitalen Identitäten vertiefen: OpenID Connect (OIDC), SAML, OAuth2.0, FIDO2, WebAuthn usw. In den meisten Fällen werden Unternehmen keine eigenen Dienste für digitale Identitäten implementieren, sondern Lösungen etablierter Anbieter nutzen (z.B. Apple-ID, Google-ID oder Microsoft-ID). Im Vordergrund dieses Seminars steht daher das Verständnis dieser Technologien und die Frage, wann welche Technologie verwendet werden sollte, welche Vor- und Nachteile es gibt, was jeweils bei der Nutzung zu beachten ist und welche Risiken spezielle Maßnahmen erfordern.
Teil 3 - Die 8 Domänen der IT-Sicherheit
Freitag, 26. Juni 2026, 9:00 bis 17:00
Das Thema IT-Sicherheit ist vielfältig und es gibt viele verschiedene Ansätze, um es zu strukturieren. Wir nehmen die 8 Domänen des CISSP-Standards als Basis und bekommen darüber einen guten Überblick der relevanten Themen und Technologien. CISSP steht für Certified Information Systems Security Professional und ist ein weltweit anerkannter Standard für die Zertifizierung von Experten der IT-Sicherheit. Nur wenige von uns werden dieses Niveau benötigen oder anstreben. Trotzdem sollten wir wissen und verstehen welche Themen es gibt, um diese bei Bedarf zu vertiefen. In diesem Seminar werden wir deshalb Themen genauer betrachten, die für ein grundlegendes Verständnis oder typische Anwendungsszenarien in der Industrie wichtig sind.
Wir beginnen mit dem Thema Risiko-Management: Welche Geschäftsrisiken gibt es aufgrund von gesetzlichen, Branchen- oder Compliance-Anforderungen der IT-Sicherheit, der verwendeten Technologien, der Wettbewerbslage oder Erwartungen von Kunden? Welche Schäden können bei fehlender Einhaltung / Schutz eintreten? Mit welcher Wahrscheinlichkeit? Auf Basis der jeweiligen Antworten sind gezielt Maßnahmen abzuleiten und umzusetzen.
Auf der technischen Seite werden wir Themen der Sicherheits-Architektur von Software, Design-Prinzipien, Verschlüsselung und Grundlagen der sicheren Kommunikation und Netzwerk-Sicherheit besprechen. Sollte eigene Software erstellt werden, so empfiehlt sich ein Blick auf die Unterlagen und Veranstaltungen der OWASP-Foundation (Open Worldwide Application Security Project), einer gemeinnützigen Organisation zur Sicherheit von IT-Anwendungen.
Ab einer bestimmten Unternehmensgröße oder je nach Bedrohungslage sollte ein ganzheitlicher Ansatz für das Thema IT-Sicherheit verfolgt werden. Meist gibt es dafür einen separaten Bereich (Team, Abteilung oder mehr), der Vorgaben zu relevanten Themen erstellt, Schulungen hält (oder zumindest organisiert), eine korrekte Umsetzung kontrolliert, kontinuierlich pro-aktive Schutzmaßnahmen evaluiert und einführt (Offense) und Angriffe überwacht, einstuft, abwehrt und danach Verbesserungen ableitet (Defense und Forensik). Es ist üblich, einige der Themen an externe Partner auszulagern. Wir beschränken uns daher auf einen Überblick. Ein grundlegendes Verständnis ist aber wichtig, um bei Bedarf den richtigen externen Partner und das richtige Produkt oder Service-Level auszuwählen.
Abschließen werden wir das Seminar mit einer Zusammenfassung und einer Diskussion, welche Themen für Sie / in Ihrem Kontext am wichtigsten sind.
Zum Referenten
Dr. Jürgen Sellentin hat Informatik mit Schwerpunkt Datenbanken und Nebenfach Elektrotechnik an der Universität Kaiserslautern studiert. Nach dem Diplom hat er seine Promotion als Industrie-Doktorand am Daimler-Benz-Forschungszentrum Ulm in enger Kooperation mit Prof. Mitschang an der Universität Stuttgart abgeschlossen. Es folgten 26 Jahre im Daimler-Konzern, in denen er unterschiedliche Themen bearbeitet und verantwortet hat: Von IT-Forschung, Integrationsarchitekturen und Portalen, zentralen Middleware-Plattformen, Test-Management, Produktdatenmanagement, Entwicklung eines neues PDM-Systems für Elektrik/Elektronik, zentrale Cloud-Strategie und zuletzt Identity & Access Management als Teil der IT-Security. Hoher Nutzen, innovative Ideen, nachhaltige Umsetzung und ein weltweiter Einsatz über alle Marken des Konzerns standen bei fast allen Themen im Vordergrund. Neben den fachlichen Themen erweiterte er sein Wissen auf die Führungsebene und war zuletzt als Abteilungsleiter verantwortlich für alle globalen Identity & Access Management Systeme des Konzerns. Dabei entwickelte er das Thema aus einer rechtlich notwendigen Nische zu einer Joint Priority der gesamten IT und einem integralen Business-Enabler in der Mercedes-Benz Produktstrategie.
Seit 2024 arbeitet Dr. Jürgen Sellentin als freiberuflicher Management-Berater für nachhaltige IT-Strategie, Technologie & Projekte. Ergänzend bietet er auf Basis seiner vielfältigen Erfahrungen praxisorientierte Vorträge und Seminare an.